Interkulturelle Gewaltprävention durch Tanztheater in Hamburg Wilhelmsburg

 

 

Das Projekt: »Wohin mit meiner Wut«

Kulturelle Bildung durch Tanz und Theater:
Von der Emotion über Motivation zur Creation

Schlüsselkompetenzen entwickeln.
Schülerinnen und Schüler setzen sich und ihre Geschichten in Szene.

Ein integratives Stadtteil-Modellprojekt in Hamburg Wilhelmsburg
Träger: Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg

Konzeption und künstlerische Leitung:
crearTaT e.V. (i.G.) / Irinell Ruf / BürgerStiftung Hamburg
In Kooperation mit Forum für Kreativität und Kommunikation Bielefeld e.V. 1.

Das Projekt in aller Kürze

1. Das Stadtteilmodelprojekt

»Wohin mit meiner Wut? — von Emotion über Motivation zu Creation durch Tanztheater« — dient der Verzahnung von Kunst, Kultur und Bildung im schulischen Kontext. Ziel ist die Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen, in dem ihre Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit gefördert wird »ganzheitlich: emotional, sozial und kognitiv, was sich insbesondere auf den Spracherwerb sehr positiv auswirkt. Sie dienen nicht nur dem »ganzen Theater« sondern sie sind auch Grundlage, um in anderen Schulfächern neue emotionale und kognitive Kompetenzen einzubringen. Damit fördern sie die Lernmotivation und den Spracherwerb und wirken langfristig berufsvorbereitend. Die integrierte Lehrer/innen- und Elternarbeit wirkt vorhandenen Stigmatisierungs- und Hierarchielinien im Stadtteil entgegen. Das Projekt greift das interkulturelle Potential in Wilhelmsburg positiv auf und macht es zum Gegenstand auf der Bühne. Selbstbewusst gehen die Schülerinnen und Schüler auf Tournee und wagen den Sprung über die Elbe.

2. Selbstbewusst, ausdrucksstark, kreativ und tolerant »die Künste«

Kulturelle Bildung als öffentlicher Auftrag gestaltet sich heute vielschichtig und stellt gerade Schule als gesellschaftliche Instanz vor neue Herausforderungen. Um sich diesen erfolgreich stellen zu können, bedarf es der Künste, die interdisziplinär wirken und fächerübergreifender Methoden im Unterricht. Hier bieten sich an, in besonderer Weise Tanz und Theater, die den Menschen mit »Haut und Haaren« berühren und bewegen. Mit Tanztheater wird Veränderung und Schaffung von Neuem greifbar. Das Projekt greift die vorhandenen Probleme Gewalt, Angst vor dem Fremden und Intoleranz auf. Ziel des Projekts ist die Entfaltung von Zivilcourage. Übungen aus der Tanz- und Theaterpraxis bilden methodische Grundlagen, um Vorurteile und Formen der Diskriminierung zu erkennen und aufzulösen. Gerade die methodische Arbeit nach Leontjew und Boal macht es möglich sich über die Grenzen des Bestehenden hinweg zu setzen und das nicht Denkbare zu tun. So entwickeln die Klassen in Kleingruppen Szenen, die die Phantasie anregen und weit über das Alltagsleben hinausweisen. Sie lösen selbst - dargestellte »niederschmetternde Unterdrückung in Szenen auf, indem sie die Geschichten so weiterspinnen, dass jede und jeder seine Würde, ihren Witz und seinen Charme wieder findet. So hat auch das Publikum etwas zu lachen. Sie sehen sich im Spiegel. Die Eltern sind stolz und unterstützen gerne. Die Szenen sind Gesprächsstoff in den Familien.

3. Durch »Spielen« und »Tanzen«

Selbständigkeit und Teamarbeit erleben Aus den erlebten Prozessen im Klassenverband ergibt sich die konkrete Entwicklung der Toleranzfähigkeit, das spielerische Lernen demokratischer Regeln und Werte, sowie das Kennen lernen unterschiedlicher Sichtweisen. Spielen und tanzen fördern die ganzheitliche Wahrnehmung und eine, an den eigenen Erfahrungen orientierte, sinnliche und rationale Auseinandersetzung »mit mir« und »mit dem mir Unbekannten«, da die Schülerinnen und Schüler die Szenen, Rollen und Drehbücher selbst entwerfen und künstlerisch umsetzen. Sie erleben im Prozess den Wechsel zwischen Selbständigkeit und Teamarbeit und übernehmen spielerisch Verantwortung für sich und die Gruppe. Hier wird »Demokratie« konkret gelernt und Partizipation Wirklichkeit.

4. Durch den Prozess am Gemeinsamen teilnehmen

Auf diesem Weg werden die Ziele Entwicklung differenzierter Selbst- und Weltbilder, Stärkung des Selbstwertgefühls und Erweiterung der Handlungskompetenzen der Einzelnen sowie die Förderung der Kommunikations- und Konfliktfähigkeit erreicht. Selbstbewusste Menschen schützen sich und andere, in dem sie die eigenen und anderen Grenzen achten. Sie sind tolerant ungeachtet der Hautfarbe, sozialen Herkunft, des Geschlechtes und der religiösen Überzeugungen. Dieses Projekt erhöht die Konfliktlösungsmöglichkeiten und Partizipationsfähigkeiten im Stadtteil Die künstlerischen Ergebnisse aus den Klassenprojekten werden in der »eigenen« Schule und »fremden« Schule im Stadtteil präsentiert. Geplant ist eine »Tournee um die Elbe herum«. In diesem Sinne ist dies ein »Youth to Youth« Projekt.

5. Zusammen lernen

Das Konzept basiert auf einer Wechselwirkung zwischen Jugend- und Erwachsenenbildung, die nachhaltig im Stadtteil Wilhelmsburg wirkt. In der Erwachsenenbildung, die parallel zu der Jugendarbeit stattfindet, werden LehrerInnen befähigt die Übungen kurzfristig in den allgemeinen Unterricht einzubauen, und Multiplikatoren können mittelfristig die Methoden eigenständig anwenden. Der Austausch und die Kooperation verschiedener Kollegien wird gefördert. Somit trägt das Projekt zu einer innovativen Entwicklung der Stadtteilkultur bei. Die Ergebnisse der Theaterarbeit sind in den Fächerkanon konkret integrierbar. Das Projekt begleitet curriculare Entwicklungen und fördert den fachlichen und interdisziplinären Austausch über »interkulturelles Lernen« der Kolleginn/en und Kollegien unterschiedlicher Schulformen.